Toms Blog
Bakterielle Unverträglichkeit beim Zusetzen neuer Garnelen
Beim Zusetzen neuer Garnelen, Schnecken oder sonstiger Lebewesen bringen diese immer auch ihre eigenen Bakterien mit. In seltenen Fällen kann das Probleme bereiten.Garnelen haben ein sehr rudimentäres Immunsystem . Setzt man verschiedene Stämme zusammen, kann Folgendes auftreten:
a.) Die neuen Garnelen sterben relativ schnell, da sie den vorhandenen Bakterien im Aquarium nichts entgegenzusetzen haben.
b.) Die vorhandenen Garnelen sterben schlagartig in kurzer Zeit, während die neuen überleben, da sie den Bakterien, welche die neuen Garnelen mitbringen, nichts entgegenzusetzen haben.
c.) Es sterben die alten und die neuen Garnelen, weil a.) und b.) gleichzeitig eintreten.
Bei mir selbst in der Anlage passiert so etwas etwa zwei Mal im Jahr und ich bekomme regelmäßig neue Garnelen von vielen verschiedenen deutschen Züchtern. Warum das genau so ist, ist bis heute nicht vollständig erforscht, man weiß jedoch, dass es an bakteriellen Unverträglichkeiten hängen kann.
Wie kann man dieses Risiko verringern?
Es gibt zwei grundsätzliche Möglichkeiten, diesem Problem zu begegnen.1. Quarantäne der neuen Garnelen
Ein sauberer Eimer wird zu etwa 3/4 mit frischem Wasser gefüllt. Dazu gibt man ein bis zwei braune(!) Laubblätter. Anderweitig sollte nicht gefüttert werden. Aus dem Zielaquarium gibt man dann täglich etwa 1/4 Liter Wasser in den Eimer. Das macht man 4 bis 5 Tage lang. Danach können die Tiere ins Aquarium umgesetzt werden.
Erfolgsquote, wenn tatsächlich eine bakterielle Unverträglichkeit vorliegen sollte, was man im Vorfeld nicht sicher weiß: etwa 60 %.
2. Wenn das Kind bereits in den Brunnen gefallen ist
Beim Tierarzt kann man Baytril 5 % Injektionslösung auf eine Spritze aufziehen lassen. Man braucht je 10 Liter Wasser 1 ml. Das wird ins Aquariumwasser gegeben. Nach einem halben Tag setzt man die neuen Garnelen dazu. Anschließend macht man 5 Tage lang keinen Wasserwechsel .
Der Vollständigkeit halber: Baytril ist ein Breitband-Antibiotikum. Es tötet sämtliche Bakterien im Aquarium, auch im Filter. Somit gibt es in diesem Moment keine bakterielle Unverträglichkeit mehr. Das Wasser mit Baytril wird vor dem ersten Wasserwechsel von verantwortungsbewussten Haltern einen Tag über Aktivkohle gefiltert und diese anschließend über den Hausmüll entsorgt. Die Kohle nimmt das Medikament heraus, welches nicht in die Kläranlage gelangen sollte.
Die Garnelen benötigen die getöteten Bakterien nicht direkt zum Überleben, es ist danach aber ratsam, in den nächsten 3 Wochen sehr große Wasserwechsel zu machen, um Schadstoffe , welche normalerweise von den Filterbakterien umgewandelt würden, aus dem Wasser zu entfernen, bis sich die Filterbiologie wieder aufgebaut hat.
Langsames, aber kontinuierliches Garnelensterben nach dem Einsetzen
Hat man neue Garnelen bekommen, ist die Freude natürlich riesengroß. Manchmal gibt es jedoch Probleme und nach einiger Zeit wird vielleicht vereinzelt eine tote Garnele gefunden, obwohl man gar keine verschiedenen Stämme zusammengesetzt hat. Die Freude trübt sich dann schnell ein.Neue Garnelenhalter sind hier oft an der Grenze und fragen sich: Was tun? Werden Foren befragt, bekommt man auf dieselbe Frage oft fünf verschiedene Antworten und Ratschläge.
Tipp zum Weiterlesen: Checkliste: Wenn Garnelen vereinzelt sterben könnte das folgende Gründe haben
Wichtiger Praxistipp vor dem Einsetzen neuer Garnelen
Update 29.03.2016:Das Problem, dass neu eingesetzte Garnelen in Aquarien relativ schnell sterben können, kann folgendermaßen deutlich entschärft werden:
Unmittelbar vor dem Einsetzen einen großzügigen Wasserwechsel durchführen.
Hintergrund: Die vom Transport gestressten Garnelen erholen sich in frischem Wasser deutlich schneller und können sich gegen Belastungen besser wehren, weil das Immunsystem dann noch Reserven hat. Ist das Wasser dagegen belastet, muss das Immunsystem zusätzlich auch noch gegen diese Belastung arbeiten. Die Grenze kann dann im neuen Milieu schnell erreicht werden und die Garnelen sterben über kurz oder lang.
Weitere umfangreiche Hintergrunddetails sind hier nachlesbar.
Immunschwäche, Energiebilanz und warum leicht aufnehmbares Futter so wichtig ist
Ein Punkt wird in solchen Situationen oft unterschätzt: die Energiebilanz der Garnelen. Eine geschwächte oder frisch eingesetzte Garnele hat keine unendlichen Reserven. Sie muss mit ihrer vorhandenen Energie gleichzeitig Transportstress verarbeiten, sich an neue Wasserwerte anpassen, mit neuen Bakterien klarkommen und ihr Immunsystem stabil halten.Genau deshalb ist es in solchen Phasen besonders wichtig, dass die Tiere möglichst leicht an hochwertiges Futter kommen. Muss eine Garnele grobes Futter erst mühsam abraspeln oder mechanisch zerkleinern, kostet das zusätzliche Kraft. Diese Energie fehlt dann an anderer Stelle - zum Beispiel für Regeneration, Häutung, Stabilisierung und Immunkraft .
Einfach gesagt: Eine angeschlagene Garnele sollte ihre Kraft nicht erst in schwere…
Weiterlesen
1