Fadenalgen - Fluch oder …

  • Ich komme wahrscheinlich wieder mit einem Reizthema: sind Fadenalgen wirklich schlimm?

    Also, ehrlich, ich wäre meine Puderzuckernester auch gerne los, das blöde ist, meine Garnelen lieben sie und es scheint ein prima Flusenkindergarten zu sein. Ich traue mich kaum, sie aufzuwickeln (die Algen, nicht die Minis ;) ), weil dann immer irgendjemand empört hervorgeschossen kommt, ganz abgesehen von denen, die sich nicht blicken lassen, aber irgendwo dadrin stecken.

    Sind die Fadenalgen irgendwie schädlich?

  • Sie nehmen halt irgendwann überhand und dann gefallen sie dir vielleicht nicht mehr, selbst wenn du sie aufwickelst und rausziehst. Mir haben sie auch gefallen, aber leider MUSSTE ich dann wöchentlich gärtnern. Sie deuten auch auf ein Ungleichgewicht der Düngung hin.


    Auch bemerkst du dann eventuell nicht, wenn sich weniger leicht zu entfernende Algen einschleichen, wie die Cladophora, die ist echt lästig.

  • Mintika hat recht mit dem was sie schreibt. Hinzu kommt noch, dass die Algen ab einer gewissen Menge das Pflanzenwachstum unterdrücken können. Auch kann es wohl passieren, dass Garnelen darin hängen bleiben können.


    Meine Empfehlung: Schau, dass du die Algen loswirst und spendiere den Garnelen eine Portion Süßwassertang.

  • Mintika

    Hmmm, ja, wie gesagt, optisch toll finde ich sie ja auch nicht. Und ich fürchte, diese Cladophora habe ich auch, wie ich gerade bemerkt habe =O. Ich nehme scheinbar einfach jedes Problem mit. Da ich auch Hornkraut und brasilianischen Wassernabel habe, muss ich ohnehin wöchentlich eingreifen. Und mein Weeping-Moos wächst auch wie verrückt.

    Aber abgesehen von dem Lästigkeitsfaktor: Schaden sie irgendwem? Die Frage kann ich gleich auf die Cladophora erweitern.

    Und klar, meine Wasserwerte müssen ihr Optimum noch finden :D Im Moment bin ich froh, dass es für die Nelchen wieder zu passen scheint, jedenfalls tragen sie wieder und es kommt Nachwuchs hoch. Jetzt sind halt die Pflanzen dran… aber ich will mich auch nicht unnötig stressen damit, dass irgendwas auf Biegen und Brechen raus muss. Ich mag weder endlos Chemie einsetzen, noch das Becken neu aufsetzen. Zumal ich - siehe oben - ein Talent dafür habe, für jedes beseitigte Problem mir zwei neue einzufangen.

  • Algen schaden den Tieren per se nicht. Einzige Ausnahme sind Cyanos, die aber eigentlich keine Algen sondern Bakterien sind. Diese können in sehr großen Mengen u.U. Gifte absondern. Bei sehr feinen Algen können sich allerdings kleine Tiere darin verfangen und verenden dann.


    Wie Birgit schon schrieb, stehen Algen in Konkurrenz zu den höheren Pflanzen. Vermehren sich die Algen zu stark, nehmen sie den höheren Pflanzen die Nährstoffe, was diese hemmt und den Algen noch mehr Vorteile verschafft.


    Fadenalgen entstehen wie alle Algen durch ein Ungleichgewicht in den Nährstoffen. Speziell bei Fadenalgen ist es meist zu viel Phosphat und/oder zu wenig Nitrat oder ein sehr stark erhöhter Kaliumwert im Wasser. Ich würde als erstes Nitrat messen, das sollte niemals auf Null fallen. Einfach vor dem Wasserwechsel messen, ist das weniger als 3mg/l dann miss nach dem Wasserwechsel nochmal und dünge auf insgesamt 10 mg/l auf. Das machst du beim nächsten Wechsel wieder und dann schauen wir weiter.


    Ist vor dem Wasserwechsel genug Nitrat vorhanden, würde ich als nächstes Phosphat messen. Das sollte bei höchstens 1mg/l liegen. Weniger wäre aus meiner Sicht aber viel besser, ich halte in meinen einen Wert von 0,1 - 0,2 mg/l.


    Sollte auch das in Ordnung sein, wäre dann Kalium mein nächster Kandidat. Dieser Wert sollte 30 mg/l nicht übersteigen, 8 - 12 mg/l sind ideal.


    Nutze bitte für alles Tröpchentests. Du kannst die Tests auch kostengünstig im Aquaristikgeschäft oder in der Aquaristikabteilung vieler Baumärkte machen lassen, dann musst du die Tests nicht kaufen.

  • Buddy-P

    Vielen Dank, ja, ich fürchte, ich komme um diese doofe Messerei nicht drum herum. Ich habe den Sera-Koffer da, aber gerade vor diesen Messungen, bei denen man endlos Reagenzien mit riesigem Gefahrgutaufkleber mischen muss, habe ich mich bisher gedrückt :whistling: und mich auf ph, kh und gh beschränkt… Ich nehme ja Leitungswasser und wir haben hier eher nitratarmes Wasser (laut Wasserwerk 6mg/l), was mein Besatz dazu gibt, weiß ich als Mess-Muffel natürlich nicht.

  • Japp, die Handhabung der ganzen Reagenzen kann erstmal einschüchtern. Wenn du das mal gemacht hast, wirst du feststellen, dass es gar nicht so wild ist. Halte dich einfach peinlich genau an die Anleitung.


    Bei meinem Nitrat-Test von Sera kann ich nur Konzentrationen ab 10 mg/l messen, darunter zeigt der Test nichts an. Wenn das bei dir auch so ist, würde ich dir den Test von JBL empfehlen (gibt es einzeln). Rein theoretisch könnte auch möglich sein, die doppelte Menge der Reagenzen bzw. die halbe Menge Wasser zu benutzen. Das Ergebnis müsste man dann auch halbieren. Ich probiere es nachher mal aus und vergleiche mit dem Test von JBL.


    Was ich oben vergaß zu schreiben: Fehlende Nährstoffe sorgen dafür, dass auch alle vorhandenen Nährstoffe von den höheren Pflanzen nicht mehr verwertet werden können. Das Prinzip nennt sich Liebigsches Minimumgesetz. Auch dann profitieren die Algen. Für dich bedeutet das, dass deine Probleme auch entstehen können, weil Eisen und Mikronährstoffe fehlen. Dann müsstest du aber für Eisenmangel typische Mangelerscheinungen an den Pflanzen sehen, vor allem an Stängelpflanzen (junge und neue Blätter werden sehr hell bis weiß mit grünen Blattadern).

  • Buddy-P

    Ich habe mich heute morgen überwunden, vormittags sind hier die besten Lichtverhältnisse. Ja, der Nitrat-Test von Sera geht von 0 an in 10er Schritten. Ich habe unter 0,1 mg Phosphat (ich bin mir nicht sicher, ob da ein Hauch blasses Blau war, aber weniger als die Anfangsfarbe) und angeblich 0 Nitrat, auch im Leitungswasser, dass ja laut Wasserwerk bei 6 mg liegt.

    Ja, ich habe Eisenmangel (also ich nicht, aber der bras. Wassernabel und der kleine Wasserstern pogostemon irgendwas) und deshalb hatte ich vor 3 Wochen schon den Dünger von Dennerle Pflanzen Elixier (ohne Phos und Nit) gekauft. Die Pflanzen sehen bei halber Dosierung schon besser aus.

    Och Mensch, ich hatte mir das - trotz langem Lesen im Internet vor der Anschaffung - unkomplizierter erhofft. Ich kann mich nicht erinnern, dass meine Eltern in 70ern mit ihren 3 richtig großen Aquarien so einen Aufwand betrieben hatten. Jetzt werde ich wohl erstmal bei Tom einkaufen…

  • Bei Nitrattests bitte beachten:

    Das Nitrat wird u. a. mittels Zink in Nitrit umgewandelt und dieses färbt dann die Lösung. (Reines Nitrat können wir mit unseren Tests nicht messen.)

    Um ein möglichst genaues Ergebnis zu bekommen, muss die Lösung während der 10 Minuten in Bewegung bleiben. Sonst setzt sich das Pulver am Boden ab und das Ergebnis wird ungenau. Auch bitte die 10 Minuten einhalten, da die Reaktion nicht unbedingt nach 10 Minuten beendet ist. Längere Wartezeit verfälscht das Ergebnis ebenso.

  • kettwi Der Sera Test ist ein bisschen anders: Die Wartezeit beträgt nur 5 Minuten, dafür kommen 4 Reagenzen rein, geschüttelt wird exakt 15 Sekunden zwischen Reagenz 3 und 4. Der große Nachteil ist, dass er Nitrat nur in 10er Schritten nachweisen kann. Unterhalb von 10 mg/l zeigt der Test keine Reaktion. Ich mache jetzt mal den Test mit halber Menge Wasser und vergleiche das Ergebnis mit dem JBL Test. Ich melde mich gleich wieder.

  • Habe das gerade getestet:

    Erwartungsgemäß hat der NO3 Test von Sera mit halber Menge Wasser auch einen etwas anderen Farbausschlag. Allerdings hilft das nicht wirklich weiter, da die Abstufung der Skala 0 - 10 - 25 - 50 - 100 mg/l ist. Ich hatte jetzt Wasser mit 15 mg/l getestet und da liegt bei Sera der Farbausschlag einmal etwas näher bei 25 mg/l (mit den vorgegebenen 10 ml Testwasser) bzw. etwas näher an 10 mg/l (bei halber Menge Testwasser). In beiden Fällen kann ich keine genauere Aussage treffen, wieviel Nitrat nun wirklich vorhanden ist. Ich würde auf jeden Fall den Test von JBL empfehlen, der kann Werte mit den Abstufungen 0 - 1 - 3 - 5 - 10 - 15 - 30 - 60 - 120 - 200 testen, also auch kleine Werte anzeigen.

  • Buddy-P

    ganz herzlichen Dank!

    Puhhh, muss ich dann 10 Minuten schütteln? Na ja, hilft nichts. Auf Dauer muss ich Ruhe in das Becken kriegen und da scheint mir jetzt bedarfsgerecht zu düngen der nächste Schritt zu sein. Pures Entsetzen =O : muss ich jetzt ständig (täglich?) messen und düngen und messen und düngen? Gibt es irgendeinen Punkt, ab dem die Chance besteht, dass das entspannt läuft?

  • Ah das Messen ist nicht aufwendig. Wenn man es paar mal gemacht hat und weiß in wie weit die einzelnen Nährstoffe im Aquarium verbraucht werden dann musst du nicht ständig messen,Hauptsächlich wenn es Probleme gibt um die Ursache einzugrenzen.



    P.S: Armadillidium sind doch Rollasseln ne? Ich halte einige Cubaris und Porcellio Arten :)

  • KrabbenFelix

    OK, klingt ja beruhigend.

    Und ;)ja, das sind Rollasseln. Ich hatte in einem Terra 5 Sorten, leider ist mir da alles zusammengebrochen und es sind „nur“ noch die Armadillidium nasatum übrig (mein Avatar, nur der lila Einschlag liegt an der Beleuchtung plus Handy). Im anderen Terra habe ich porcellio laevis, ein Mix aus orange und milk back. Der Sprung zu Garnelen im Nano war dann leider doch größer, als gedacht… (dafür habe ich ein drittes Terra, auch mit porcellio laevis, aufgegeben).

  • Schütteln musst du nicht die ganze Zeit. Halt bewegen, damit sich das Pulver nicht absetzt.


    Dann dann würde ich erstmal mit der halben, empfohlenen Düngermenge anfangen und nach 3-4 Tagen mal messen, wieviel Nitrat noch da ist. 1 mg/l sollten es mindestens sein. Ggf. nachdüngen.


    Vir dem nächsten Wasserwechsel wieder messen, dann hast du den momentanen Verbrauch. Nach 2-3 Wochen mal wieder überprüfen.

  • Puhhh, muss ich dann 10 Minuten schütteln?

    Bei Sera nicht, da sind es nur genau 15 Sekunden. Bei JBL macht es Sinn, wobei die Anleitung das so nicht sagt.

    muss ich jetzt ständig (täglich?) messen und düngen und messen und düngen

    Nein, für den Anfang musst du 2 mal die Woche testen und später nur noch hin und wieder. Ich würde wöchentlich düngen, das ist einfacher und für "normale" Becken völlig ausreichend. Tägliche Düngung ist aus meiner Sicht nur dann zwingend erforderlich, wenn man Aquascaping mit maximalen Pflanzenwuchs betreiben will, weil sonst in Abhängigkeit vom verwendeten Düngesystem die wöchentlichen Düngedosen zu hoch werden.


    Ich würde mit einem großen Wasserwechsel anfangen, danach die Werte für Nitrat messen und soweit aufdüngen, dass insgesamt 10 mg/l erreicht werden. Normalerweise reicht das für eine ganze Woche aus. Vor dem nächsten Wasserwechsel misst du nochmal, somit hast du deinen Verbrauch an Nitrat über eine ganze Woche ermittelt. Machst du jetzt einen 50% Wasserwechsel, teilst du die vorher gemessene Menge Nitrat durch 2 und düngst die fehlende Menge Nitrat so auf, dass du insgesamt wieder auf 10 mg/l kommst. Bei einem 90% Wasserwechsel nimmst du vom vorher gemessenen Wert dann nur 10% und düngst entsprechend mehr nach dem Wasserwechsel auf.

  • kettwi

    Buddy-P

    Herzlichen Dank Euch beiden,

    ich war gerade in Tom‘s Shop und habe Dünger und den JBL Test bestellt.

    Ja, dass ich Sera nur 15 sek. schütteln muss, weiß ich, hab‘sch ja heute früh gemacht. Und dann werde ich, sobald der Kram von Tom da und der nächst WW dran ist mal munter loslegen. Ran an die Algen und Pflanzen füttern, ha ^^ und mit 2 mal wöchentlich testen klingt das ja auch viel besser, das kriege selbst ich hin 8)

  • Hallo an Buddy,


    ist deine Empfehlung nicht etwas zu schwammig bei dem Kaliumwert? Du schreibst, daß ein verstärkter Wert von Kalium Algen begünstigt, aber am Ende schreibst Du, daß ein Höchstwert von 30 mg/l möglich sei. Das passt doch nicht bei einem durchschnittlichen Aquarium.


    An Armadillium: Wir hatten auch ein Aquarium, was Fadenalgen hatte. Wir hatten bei einem Pflanzenhersteller nachgefragt und die gaben an, daß wenn Nitrat und Phosphat nachweisbar im Gleichgewicht sind, dann kann Phosphat je nach Pflanzenart und Beleuchtungsstärke schon ab 6 mg/l Fadenalgen erzeugen können. In unserem Fall haben wir eine eher durchschnittliche Lampe und nicht zu viel Pflanzenmasse. Er sagte uns, daß die Angaben auf den Flaschen in unserem Fall ideal wäre und wir die Algen abwickeln und Wasserwechsel machen sollten. Phosphat sollte kein Problem sein und in ein paar Wochen würde sich das Thema Alge erledigen. Er empfiehl uns auch, daß wir die Düngeintervalle verkürzen sollen, damit immer etwas da ist, denn bei einer wöchentlichen Düngung kann unter Umständen am Ende der Woche etwas fehlen und am Anfang der Woche stehen den Pflanzen und Algen viel Dünger zu Verfügung. Wir geben nun alle 2 Tage den Dünger in das Aquarium. Er fragte uns auch, ob wir Fische haben und demnach mehr füttern. Als ich ihm sagte, daß wir nur Garnelen beherbergen, kam die Antwort, daß alles okay sei, denn bei Fischaquarien könnte es unter Umständen zu viel Phosphat geben bei zu viel Futter und wenn der Wert über 2 mg/l steigt, dann bindet das Phosphat unter Umständen Spurenelemente wie Eisen & Co.