Düngung mit Phosphatlimitierung

  • Wie funktioniert die Düngung mit limitierten Phosphat?


    Das Düngeprinzip basiert darauf, dass immer genug Nitrat verfügbar ist, es also niemals auf Null fällt. Gleichzeitig halten wir Phosphat auf dem absolut notwendigen Minimum. Alle Dünger, die Phosphat enthalten (wie z.B. NPK oder All-In-One), sind hierfür meist nicht geeignet. Am besten nimmt man einen reinen Nitratdünger und dazu einen normalen Mikro-Volldünger mit Eisen und Spurenelementen.


    Ich persönlich strebe eine Untergrenze von mindestens 3 mg/l Nitrat an, damit immer noch eine kleine Reserve verfügbar ist. Man düngt also soweit auf, dass vor der nächsten Düngung noch wenigstens diese 3 mg/l Nitrat messbar sind. Phosphat wird vorerst gar nicht gedüngt, Eisen wird über einen Mikro-Volldünger (der auch Spurenelemente enthält) nach Anleitung des Herstellers gedüngt.


    Beachtet bitte:

    1. Für Garnelenbecken wird eine maximale Konzentration von 10 mg/l Nitrat empfohlen. Sollte mehr Nitrat verbraucht werden, empfehle ich ein kürzeres Düngeintervall.
    2. Einige Filtermaterialien wie z.B. Seachem Purigen oder auch anaerobe Bereiche im Filter können Nitrat absorbieren und so den Nitratverbrauch enorm erhöhen.
    3. Bei Leitungswasser muss man beachten, dass bereits Nitrat und/oder Phosphat im Wasser sein können. Das ist vor allem in der landwirtschaftlichen Saison der Fall. Ist der Phosphatgehalt höher als 0,1 mg/l, ist dieses Düngesystem möglicherweise nicht anwendbar. Ist Nitrat im Leitungswasser, wird bei der Düngung nach dem Wasserwechsel nur das aufgefüllt, was zum benötigten Wert fehlt.

    Die "Idee" mit der limitierten Düngung ist nicht von mir:

    • ADA als bekannter und renommierter Hersteller von Produkten für Natur-Aquaristik und Aquascaping verfolgt die Philosophy, dass jedes Becken über Tierbesatz verfügen sollte und deren Ausscheidungen als Phosphatquelle völlig ausreichend sind. ADA hat deshalb keinen phosphathaltigen Dünger im sonst recht umfangreichen Düngersortiment.
    • Im Aquascaping nutz man erfolgreich eine starke Limitierung von Phosphat für eine bessere Rotfärbung der Pflanzen.
    • Diverse Düngersysteme wie z.B. Estimative Index für eine wöchentliche Düngung, Estimative Index wöchentlich für wenig Licht, Estimative Index mit täglicher Düngung, Perpetual Preservation System (PPS), Seachem Dosing System nach Filipe Oliveira oder Poor Man Dosing / Dupla Drops (PMDD) gehen ganz unterschiedlich mit den Nährstoffen um und düngen z.B. Phosphat von 0,1 bis zu 1,7 (!) mg/l auf, Nitrat von 1mg/l bis 12 mg/l Mindestwert. Wichtig dabei: Bei allen mir bekannten Systemen düngt man entweder generell sehr wenig Phosphat und Nitrat oder beide umgekehrt proportional zueinander - wird viel Phosphat gedüngt, dann wird der Nitratwert niedrig gehalten und umgekehrt. Man limitiert also immer wenigstens einen Nährstoff.

    Warum empfehle ich, Phosphat zu limitierten?


    Weil man Phosphat schlecht messen kann. Phosphat wird recht schnell in den Pflanzen eingelagert und ist dann nicht mehr im Wasser nachweisbar. Das ist bei Becken mit Osmosewasser und keinem Besatz (Stichwort Aquascaping) kein Problem, da kontrolliert man ja genau, welche Nährstoffe ins Becken kommen und im Becken fällt ohne Tiere und Fütterung auch so gut wie kein Phosphat als Abfallprodukt an. Mit Besatz, Fütterung und auch bei Verwendung von Leitungswasser wird aber eine unbekannte Menge Nitrat und Phosphat erzeugt oder eingebracht. Da Nitrat leicht zu messen ist, Phosphat aber nicht, ist es viel einfacher, Nitrat zu überwachen und folgerichtig Phosphat zu limitierten, um es nicht messen zu müssen.


    Wie überwacht man ohne zu messen, ob ausreichend Phosphat vorhanden ist?


    Wenn man eine hohe Nitratverfügbarkeit hat und Phosphat limitiert, zeigen die Pflanzen gut sichtbare Mangelerscheinungen bei Phosphatmangel. Dabei treten nicht sofort Algen auf, dies ist das Besondere an diesem System. Sofern hat man genug Zeit zu reagieren. Einen Phosphatmangel zeigen vor allem schnellwachsenden Stängelpflanzen über sichtbare Mangelerscheinungen an. Diese sind:

    • Ein sehr langsames Wachstum
    • Sich verkleinernde Triebspitzen oder Krüppelwuchs an Triebspitzen (z.B. in sich verdrehte Blätter)
    • Einige Wasserpflanzen können sich dunkel oder violett verfärben
    • Hin und wieder tauchen bei einem akutem Phosphatmangel verstärkt Punktalgen auf

    Erkennt man diese Mangelerscheinungen, ist es empfehlenswert zusätzlich etwas Phosphat zu düngen. Ich starte in solchen Fällen mit einer Menge von 0,1 mg/l und warte mindestens 2 Wochen ab.


    Bei mir hat sich in allen Becken mit Besatz gezeigt, dass ich praktisch kein Phosphat düngen muss um Mangelerscheinungen vorzubeugen. Auftretende Algen resultieren immer und absolut reproduzierbar durch falsche Mengenverhältnisse von Nitrat, Eisen, Kalium und Spurenelementen zueinander. Wobei fast immer zu wenig Nitrat schuld ist, selten aber auch mal zu viel Eisen. Kaliummangel ist zumindest bei mir so gut wie ausgeschlossen, weil das in vielen Produkten mit drin ist und so bei mir in jedem Fall in ausreichender Menge ins Becken kommt.