Warum muss man überhaupt düngen?

  • Hallo Ihr Lieben,


    Ich bin ja recht neu in der Garnelenhaltung. Vor über 40 Jahren hatte ich einige Aquarien mit Fischen. Damals kam mir Düngen überhaupt nicht in den Sinn und die Pflanzen sind auch gut gewachsen.


    Mein neues Aqua läuft ja noch nicht lange, aber die Pflanzen wachsen super.

    Reichen die Ausscheidungen von den Nelen und Schnecken nicht als Dünger aus? Ich hätte Angst mir durch das Düngen eine Algenplage zu holen. Habt ihr irgendwelche Richtwerte/Wasserwerte die euch sagen, dass ihr Düngen solltet?


    Ganz liebe Grüße

    Barbara

  • Recht einfach zu handhaben, ob man Nährstoffe zuführen sollte oder nicht:


    Werden Pflanzen gelb / krank (Löcher, Nekrosen...), wachsen schlecht/gar nicht, bilden sich viele Algen -> Nährstoffungleichgewicht -> eingreifen von außen.


    Ich kann da nur den IST-Zustand von meinem 54l Becken und meiner Schneckenvase vergleichen: 54l hat Langzeitnährboden und Bio-Co2. Schneckenvase hat nur kleines (aber direktes) Licht. Froschbiss & Flammenmoos wächst in der Schneckenvase überhaupt nicht und geht eher kaputt. Im 54l wächst so lange alles gut, wie die Co2-Menge ausreicht. Gibts nicht genug Co2, bilden sich Algen und Blattnekrose...


    Wächst in deinem Becken alles super, brauchste nicht zu düngen.

  • Das würde ich so nicht unterschreiben. Da die Pflanzen noch neu sind, kann es durchaus sein, dass die Nährstoffspeicher noch gefüllt sind. Ist dieser aufgebraucht, gehen erfahrungsgemäß die Schwierigkeiten los.


    Hier ist Toms Düngeempfehlung:

    Anleitung: Düngen für ein nahezu algenfreies Garnelenaquarium


    Ich würde zunächst mal mit 50% anfangen und dann langsam steigern.


    Nein, das bissl, was die Schnecken und Garnelen produzieren, reicht in den weit meinen Fällen nicht aus. Vielleicht, wenn du nur ein paar Moose und Bucen hast…

  • Ich wünsche Euch ein frohes und gesundes neues Jahr.


    Vielen Dank für Eure Antworten. Der Link zu Toms Düngetipps hat mir schon gut geholfen. Ich werde mir dann wohl doch mal so einen Testkoffer leisten. Noch ist mein Becken ja frisch und ich habe auch Soil-Boden mit drin. Aber ich werde mich schon mal auf nährstoffärmere Zeiten vorbereiten. ;)


    Ganz liebe Grüße

    Barbara

  • Gaaanz viele Faktoren, hängt vor allem von den Pflanzen ab, wie deren Nährstoffbedarf ist.


    Der Boden hat Nährstoffe, das Licht ist ein Nährstoff, die Tierischen Ausscheidungen sind Nährstoffe.


    Wenn das alles wie die Faust aufs Auge zueinander passt, brauchste nicht Düngen.

    Haste ein Ungleichgewicht stürzen sich die niederen Pflanzen (Algen) drauf und wachsen.


    Hier gilt das Liebigsche Minimumgesetz:

    Grobes Beispiel:

    Wenn die Pflanze von A + B + C gleich viele Nährstoffe braucht, von A aber nur die Hälfte da ist, werden von B und C auch nur die Hälfte verbraucht.

    Das was dann von B und C über ist holen sich die Algen und gedeihen prächtig.

    Es muss alles in der richtigen Menge vorhanden sein, das sind die Spielregeln.


    Ich hab grade einen absolut seltenen Zustand, mein Aquarium ist absolut Algenfrei.

    Hatte ich noch nie, bin gespannt wie lange der Zustand anhält. 8o

    War aber viel Knobelei und Messerei nötig.

    Gruß

    Volker


    30l-Scape mit RedBees, OrangeTrack

    10l-Pfütze mit braunem Nachwuchs einer Neocaridina-Mischung und einer ANS

  • Ein Testkoffer ist nie verkehrt, den braucht man früher oder später sowieso. Ich würde Sera nur bedingt empfehlen, da sind einige Tests komplizierter und ungenauer als z.B. bei JBL, deren Testkoffer ich viel besser finde. Für den Anfang genügen aber auch Einzeltest für Nitrat, KH, GH und pH, das ist oft deutlich günstiger als ein kompletter Koffer. Auch hier mag ich die von JBL am meisten.


    Beim Düngen würde ich ganz vorsichtig anfangen und nur, wenn die Testergebnisse dies auch erfordern. Gerade in der Einfahrphase zehren die Pflanzen von ihren Depots und verbrauchen praktisch keinen Dünger.


    Wenn man dann anfängt zu düngen, reichen Nitrat und Eisenvolldünger meist völlig aus. Nitrat, weil das in großen Mengen verbraucht wird und Eisenvolldünger, weil Eisen und Spurenelemente essentiell für das Pflanzenwachstum sind und nicht durch natürliche Prozesse im Aquarium gebildet werden. Der Nitratverbrauch zwischen den Wasserwechseln lässt sich dabei sehr gut bestimmen, Nitrat sollte niemals ganz auf Null fallen. Eisen zu bestimmen ist schwierig, da würde ich mich an die Empfehlung auf der Flasche halten, aber erstmal mit nur 50% starten.


    Phosphat wird nur in sehr geringen Mengen benötigt und entsteht durch Ausscheidungen und Futterreste meist in ausreichenden Mengen zur Verfügung, in der Einfahrphase zusätzlich noch durch absterbende Pflanzenteile. Sofern würde ich das nur düngen, wenn Mangelerscheinungen auftreten.


    Ganz wichtig:
    Viel Licht bedeutet auch viel Nährstoffverbrauch und umgekehrt. Das ganze Thema Düngen wird heutzutage oft von Aquascapern erklärt, die aber meist mit deutlich mehr als 50 Lumen pro Liter beleuchten, CO2 zugeben und auch wenig bis gar keinen Besatz haben. Daran sollte man sich nur orientieren, wenn man ähnliche Voraussetzungen hat.


    Übrigens:
    Früher hat man den Fischen meist zu viel Futter gegeben und gleichzeitig recht einfache Pflanzen gehalten. Diese Kombination hat zu einer halbwegs ausreichenden Nährstoffversorgung geführt, aber auch oft zu verschiedenen Grünalgen und einer recht hohen Wasserbelastung, die allerdings von vielen Fische noch gut toleriert wurde. Für die Garnelenhaltung brauchen wir sehr sauberes Wasser, da funktioniert dieser Weg nicht mehr.

  • Ich hänge mich mal gleich hier dran..


    Was ist mit Phospat?


    Ich dünge nach Toms Vorschlag mit Easylife Profito, Nitrat und Phospho, da ich festgestellt habe, dass da nichts im Leitungswasser ist, wenn ich dran denke nach 2 Tagen mit Eisen (denke nicht dran).


    Sollte ich die Menge an Nitrat erhöhen, wenn ich nach einer Woche vor dem WW feststelle, dass die Nitratkonzentration bei fast Null ist?


    Muss ich den Kaliumwert bestimmen?


    PS: Würde gerne den Link setzen, aber muss mit dem iPad noch üben, bin nicht zuhause

  • Im Profito ist normalerweise ausreichend Eisen vorhanden.


    Der Nitratwert sollte vor dem WW nicht bei Null sein. So 2-3 mg/l wären aus meiner Sicht ok.


    Kalium würde ich messen, wenn anhaltende Algenprobleme da sind oder die Pflanzen Mangelerscheinungen zeigen. Das halte ich mit den anderen Nährstoffen ebenso. Ausnahme: Nitrat. Das wird viel verbraucht, da messe ich öfter mal.

  • Hallo Buddy,


    das ist aber wie so oft eine sehr gewagte Empfehlung, denn die meisten haben in der Startphase keine Tiere wegen dem Phosphat. Auch Pflanzenreste sind nicht gleich da, ausser man verliert Blätter und keschert die nicht, aber da werden gerade aus Sorgfalt in der Anfangsphase gekeschert. Da kommen ein paar Krümmelchen Futter, wenn das jemand überhaupt macht und schon kommen wir in´s Stocken. Es gibt im Aquarium nie ein Konzept, denn jede Änderung kann Algen hervorrufen. Mal eben von einer LED auf die andere gewechselt und schon knobelt man wieder die Nährstoffe. Ich finde ein Patentrezept immer gut, damit man ein Anhaltspunkt hat. Ich habe hier schon oft gelesen, dass wenn jemand Probleme hat, hier und da an den Stellschrauben drehen soll und es passiert nichts. Nitrat z. B. ensteht ja auch durch Nitrifikation und wäre auch vorhanden und auch da kann es Unterschiede geben. Eisendünger empfehle ich nicht in der Startphase, denn das kann Dir ganz gehörig Probleme bereiten, weil dann wierdum Spurenelemente fehlen, die z. B. ein Universaldünger hat. Und ein Universaldünger hat auch Eisen/ Kalium und noch viel mehr wichtige Stoffe. Eisen kann man nennen, wenn man wirklich richtung Aquascaping geht. Ganz schwierig wird es bei Leitungswasser.

  • Hi Sandro77

    reinen Eisendünger habe ich nicht empfohlen (würde ich auch nicht), sondern Eisenvolldünger. Dieser heißt je nach Hersteller auch mal Universaldünger, Mikrodünger, Volldünger, Profito oder auch Flourish. Da ist hauptsächlich Kalium und Eisen drin und außerdem alle notwendigen Spurenelemente, aber kein Nitrat oder Phosphat. Ein reiner Eisendünger ist i.d.R. nicht oder nur sehr schwach chelatiert, er enthält auch kaum Spurenelemente. So etwas braucht man nur in seltenen Ausnahmefällen.

    Nitrifikation kann nur dann Nitrat liefern, wenn es Nitrit (und vorher Ammonium bzw. Ammoniak) gibt. Das ist ein Stoffwechselabfallprodukt und entsteht nur, wenn irgendetwas zum Fressen für die Mikro- und später auch Makrofauna da ist. Die dabei entstehende Menge ist jedoch viel zu gering, ohne Dünger geht das nicht. Über eine Woche hinweg verbraucht ein Aquarium mit mittlerer bis dichter Bepflanzung ungefähr 5 - 10 mg Nitrat pro Liter (mit CO2 Zugabe und ohne Besatz auch gern noch viel mehr), das ist mit Abstand der meist verbrauchte Nährstoff. Zum Vergleich: Phosphat und Eisen liegen bei einem ungefähren, durchschnittlichen Verbrauch von 0,1 mg pro Liter.

    In der Einfahrphase stellen sich Pflanzen auf die neuen Bedingungen um, das dauert eine Weile. Bei vielen Pflanzen werden dabei Blätter nicht umgebildet, sondern treiben neu aus. Alte Blätter werden von den Pflanzen verstoffwechselt und/oder lösen sich auf. Dabei werden verhältnismäßig große Mengen Phosphat freigesetzt, die im Blattwerk eingelagert sind. Abkeschern kannst du da nichts, weil die Blätter nicht verloren werden.

    Ich persönlich halte nicht viel von den s.g. Patentrezepten. Dazu ist jedes Becken viel zu individuell. Die verbrauchten Mengen an Nährstoffen aber kann man messen und mit Dünger wieder auffüllen. Wieviel Dünger man dazu wie oft braucht, kann vorher keiner wissen.

  • Hallo Buddy,


    ich habe das mit dem Eisenvolldünger nicht richtig erkannt und es tut mir leid, aber dann schreibe doch gleich Universaldünger. Der nächste, der das liest, kauft sich einen Eisendünger und ist Anfangs happy. Mir ist es lieber, wenn man einfache Antworten gibt.


    Bist Du Dir zu 100 % sicher, dass aufgelöste Pflanzenreste, die man ja gerade zu Anfang keschert, den Phosphatwert steigen lässt? Bedenke, wir reden hier nicht von Aquascape. Ein normales Aquarium hat meist nicht so viel Material wie ein Scaperbecken und bei mir hatte ich bisher eher gesehen, dass die Pflanzen gewachsen sind beim einsetzen. Du schreibst ja oft wenig Phosphat ist besser und empfiehlst es auch bei Problemen mit Algen. Hat es was gebracht bei Deinen Empfehlungen? Ich finde das sehr wichtig, um selbst auch zu lernen bzw. damit andere eine Gegenmaßnahme gegen Algen haben..


    Meine Nitrifikation ging bisher recht schnell. Ich hatte nach 3 Tagen den Nitritanstieg und nach ca. 10 Tagen einen Nitratanstieg.

  • Ich rate aus meiner Erfahrung dazu, dann zu düngen, wenn es notwendig ist. Und auch nur soviel, wie gebraucht wird. Oft werden Wachstums- oder Algenprobleme erst vom Aquarianer selbst verursacht, weil das Setup nicht zusammenpasst und/oder Algenphasen der Einfahrphase als Algenproblem verstanden werden und versucht wird, gegenzusteuern. Das trifft nicht nur auf das Düngen zu. Viele Einsteiger orientieren sich an den Videos der bekannten Youtuber, haben aber ganz andere Voraussetzungen und verwenden deshalb einen für ihr Becken falschen Ansatz.


    Ich versuche zu vermitteln, dass man ohne Erfahrung nur auf Messwerte vertrauen darf und dass man oft erfahrene Hilfe braucht, um Probleme in den richtigen Kontext zu bringen. Es ist fast nie eine einzige Ursache an Problemen schuld, sondern die Kombination von miteinander abhängigen Faktoren. Es gibt natürlich auch Becken, die laufen ohne Düngung prima, auch diese Option sollte immer bedacht und evaluiert werden. Deshalb gibt es von mir kein Kochrezept, wie viel ml Dünger pro Woche in ein Becken kommen.


    Ich schreibe übrigens von Eisenvolldünger, weil das die korrekte Bezeichnung ist. Der Rest sind Marketing-Namen.

  • Irgendwo muss der Aquarianer doch Anhaltspunkte haben und da ist es egal, ober am Ende des Tages 0,1 oder 0,2 Phosphat im Aquarium hat. Du wirkst doch auch mit Empfehlungen in vielen Beiträgen dagegen und schreibst, dass Phosphat und andere Dünger runter müssen und Dunkelkuren empfehlst und die kommen nicht vorwärts. Das ist wie ein YouTube-Video. Klar, man kann natürlich testen, aber bei Phosphat wirst Du irgendwo immer ein Problem haben, denn das ist schwer zu messen, wenn die Pflanzen das speichern. Ich finde es z. B. gut, dass man Vorgaben hat, damit sich der Aquarianer orientieren kann und es ist schwierig, die Notwendigkeit zu erkennen, weil das eben verschiedene Biotope sind.


    Ich z. B. wässere meine Invitro-Pflanzen mit Dünger, damit die sich umstellen. Wenn sich die Wurzeln bilden geht es ab in´s Aquarium und hatte bisher glücklicherweise nie Probleme.


    Tur mir sehr leid, aber ich finde den Begriff Eisenvolldünger nicht gut. Ich hatte z. B. beim Querlesen fälschlich Eisendünger gelesen, aber auch wenn Du im Internet nach Eisenvolldünger googelst, kannst Du hoffen, dass der Aquarianer z. B. AquaRebell erwischt. Kauft der Easy Life Ferro, dann hat er einen Eisendünger. Da ist für ein Einsteiger der Marketingname vorteilhafter. Und es gibt viele Einsteiger.und da ist einfach viel hilfreicher, als wenn man zu viel des guten im Forum gibt ;)