Garnelen und Aquascape

  • Patrik (pk-Aquaristik) hat es in seinem Thread „Woher bekommt ihr euer Hardscape“ kurz angesprochen, dass es kleine Einschränkungen beim Scapen gibt, wenn man Garnelen halten möchte.


    Diese Erfahrung habe ich auch gemacht. Wie seht ihr das und wie löst ihr die Schwierigkeiten?

  • Mit Patrik bin wohl ich gemeint (Patrick :)). Vielleicht sollten wir erstmal die einschränkenden Punkte sammeln?

    Spontan fallen mir direkt folgende Punkte ein:

    • Nitrat (ideal um die 10mg/l), Pflanzen in stark beleuchteten Becken haben gerne höhere Konzentrationen
    • Phosphat (ideal um die 0,1mg/l), viele Aquascaper bevorzugen höhere Werte
    • CO2-Wert sollte nicht zu hoch sein, viele Aquascaper bevorzugen Werte ich würde sagen bis zu max. 35mg/l
    • hoher Sauerstoffbedarf vs. CO2-Austrieb
    • Weiches Wasser mit stabilem pH-Wert vs. aufhärtendes Gestein etc.
    • Starklicht, zeigen die Garnelen ihr gewohntes Verhalten unter Starklicht oder eher wenn das Licht gedimmt ist?

    Ich denke es gibt noch ein paar Punkte mehr, aber das ist was mir spontan in fünf Minuten eingefallen ist.


    Beste Grüße

    Patrick

  • Ich hätte da noch:

    • Abrutschende Soil-Hügel
    • Hoher Bodenaufbau (gammelt schneller)
    • Futterecke wohin?
    • Sauerstoffeintrag bei stark besetzten Becken?
    • Gammelstelle in Höhlen unter Wurzeln/Steinen.
    • Pflanzenpflege, sprich: Was mache ich, wenn eine Pflanze zu groß geworden ist und zurückschneiden nicht mehr ausreicht?
  • Das Thema finde ich interessant. 🙂

    Ich bin kein richtiger Aquascaper, aber ich lege Wert auf naturnahe Aquarien, die gut aussehen. (Oder bezeichnet man das schon als Aquascaping?🤔)


    Die Frage mit den zu großen Pflanzen habe ich mir auch schon gestellt.

    Ich habe jetzt eine Pflanze die ich nicht mehr leiden konnte (Hydrocotyle verticillata), cm für cm jede Woche ausgezogen. Jedes Mal die Angst, das Garnelen wegen den aneroben Bakterien kaputt gehen. Bis jetzt ist es gut gegangen und der Bestand ist auf ein Drittel reduziert.

  • Guten Abend,


    Dorothee evtl. könnte man bei dir von Naturaquaristik sprechen?


    Beim Aquascaping steht die Ästhetik bzw. das Aussehen deines Aquariums im Vordergrund. Die eingesetzten Tiere runden das Ganze dann nur noch ab, aber auf ihnen liegt nicht der Fokus.

    In der Biotop-Aquaristik stehen bspw. die Tiere und vor allen Dingen das perfekte Nachstellen ihres Lebensraums/Biotops im Vordergrund.

    Gerade aber was Aquascaping betrifft haben die meisten Leute unterschiedliche Vorstellungen wo Aquascaping beginnt und wo es endet. Du kannst in fünf Quellen nachlesen und überall wirst du zwar eine ähnliche, aber nahezu nirgends eine exakt gleiche Beschreibung finden. Das Wichtigste ist, dass es dir gefällt und du zufrieden bist mit deinen Ergebnissen :)


    Ich arbeite auch sehr gerne mit Kopfstecklingen und ziehe meine Stängelpflanzen häufig vorischtig raus und setze die Kopfstecklicke wieder ein. Ich konnte dabei noch nie eine Verhaltsänderung oder höhere Sterberate feststellen. Es ist allerdings ein Unterschied, ob ich ein paar Stängel einer Bacopa monnerie compact oder von einer großen Echinodorus rausziehe, wo gefühlt das halbe Aquarium durchwurzelt wird. Bisher hatte ich auch nie Probleme mit zugesetzten Böden und Gammelstellen, aber ich arbeite auch zum ersten Mal mit Soil und als Hauptfutter dient Staubfutter. Gut möglich, dass ich damit auch irgendwann in dieses Problem reinlaufe :/


    Beste Grüße

    Patrick

  • Aquascaping ist -nach meinem Verständnis- abgeleitet von Landscape, also Landschaft. In unserem Fall -auch hier wieder meine Interpretation- ist es das Nachbilden einer Landschaft im Aquarium.


    Den Thread habe ich eröffnet, um zum einen die Unterschiede zwischen garnelen(zucht)orientierter Aquaristik und dem Aquascape aufzuzeigen und zum anderen Lösungen für manche ungünstige Gegebenheiten anzubieten.


    Vielleicht finden wir ja noch ein paar Punkte. Dann können wir sie ja mal alle zusammenschreiben und unsere umgehensweise damit dazuschreiben.


    Ich finde das sehr interessant und könnte mir vorstellen, dass manche Information auch in die „normale“ Garnelenhaltung einfließen kann. Wie z. B. Patricks Tipp, immer nur wenige Stängel zu entfernen. Ich schneide auch manchmal einzelne Stängel im Bodengrund ab und setze die Kopfstecklinge wieder in das Wurzelwerk.


    Große Pflanzen zu entfernen, finde ich in der Tat schwierig. Ich hatte über Jahre hinweg eine Echinodorus im 30er Cube. Als ich sie entfernen wollte, habe ich sie vorsichtig herausgeschnitten. Sie hat das gut überlebt. Die verbliebenen Wurzeln fingen dann leider an zu gammeln und ich musste den Teil des Bodengrunds austauschen. Das ging aber dann ohne Probleme.

  • Ich bin bei den meisten Stängelpflanzen, zumindest die mit einem etwas dickeren Strang, relativ konsequent. Ich ziehe diese in der Regel vorsichtig raus und setze sie neu. Wenn man oftmals die Pflanzen nur kürzt, wird das Wurzelwerk immer größer. Ersetzt man die Pflanzen regelmäßig durch Kopfstecklinge hat man zwar etwas mehr Arbeit, aber dafür hält sich das Wurzelwerk noch in Grenzen und man holt nicht den halben Boden mit hoch. Möchte man zu Beginn die Pflanzen vermehren, muss natürlich die Pflanze erstmal abgeschnitten werden und zusätzlich zu den Kopfstecklingen im Boden bleiben. Ich bin damit bisher sehr gut gefahren und werde es wohl auch weiterhin so hand haben.


    Ich halte vorsichtiges Rausziehen der Pflanzen auf jeden Fall für die bessere Idee, als den unteren Teil der Pflanze im Bodengrund zu lassen. Dieser gammelt mit großer Wahrscheinlichkeit und führt vermutlich zu größeren Problemen, als ein vorsichtiges Entfernen der gesamten Pflanze (persönliche Erfahrung).


    Beste Grüße

    Patrick

  • Guten morgen,


    ein Punkt, den ich mal im Aquaristikgeschäft gehört hatte, von dem ich aber nicht weiss ob es tatsächlich so zutrifft:


    Wenn man einen Bereich mit Soil hat und einen Bereich, in dem eine Sandfläche den Bodengrund darstellt, sollte man die Bereiche z.B. durch kleine Steine voneinander abgerenzen, da Garnelen ansonsten das Soil im Lauf der Zeit auch auf der Sandfläche verteilen.


    Kann das jemand bestätigen?


    VG, Rainer

  • Hi Rainer,


    nicht nur die Garnelen, auch durch Pflegearbeiten und wasserwechseln passiert das.. ist immer Tricky das sauber zu halten..


    Ich habs aufgegeben.. Allenfalls Sand/Kiesboden und in einem Becher oder Netz in einer Ecke Soil einfüllen, zb so Kunststoffbecher von Tuppa oder ähnlichem die für Lebensmittel freigegeben sind.. hat den Vorteil kanst mit dem Soil die Wasserwerte stabilisieren und tortzdem schnell auswechseln, einfach mit dem Schlauch absaugen und dann frischen einfüllen..

    Liebe Grüße



    Christian






    Der Aquarienvirus infiziert auch DICH!

  • pk-aquaristik vermutlich hast du recht. Solange die Pflanzen wachsen, bilden sich durch den Sauerstoffeintrag über die Wurzeln im Normalfall ja auch keine Faulgase im Bodengrund.


    Wenn zu viel Mulm hochkommt, könnte dies evtl. die Kiemen verstopfen? Jedenfalls habe ich damit keine gute Erfahrung gemacht. Deshalb habe ich sie dann ganz unten gekappt. Hat funktioniert, aber über die Zeit gab es tatsächlich eine ordentliche Wurzelmatte.


    Da scheint mir dein Weg, lieber früher die Stengel rauszuziehen, der bessere zu sein.


    Allerdings habe ich schon öfter gehört (und das wäre ebenfalls ein Unterschied zum scapen) gibt es wohl nicht wenige Garnelenhalter/Züchter, die den Bodengrund nach einem Jahr tauschen. Allerdings haben die meist auch nur Aufsitzerpflanzen.

  • Ich schneide Pflanzen, die ich nicht mehr haben möchte, direkt über dem Boden ab. I.d.R. treiben die dann nicht mehr aus. Das verbleibende Wurzelwerk wird mit der Zeit zersetzt und solange der Bodengrund ausreichend locker ist, so dass er gut durchflutet wird, vergammelt da auch nichts. Ist zumindest bei mir noch nicht passiert.


    Prinzipiell, so glaube ich, wird das Aquascaping etwas falsch dargestellt. Für das Nachbilden einer Landschaft oder eines schönen Layouts braucht man weder Unmengen an Dünger, noch sehr viel CO2 und auch kein extremes Starklicht. Das benutzt man, um das Pflanzenwachstum zu maximieren und das Scape schnell im optimalen Zustand zu haben. Der Hardcore-Scaper macht dann seinen Final Shot und baut das ganze wieder ab. Garnelen spielen bei diesem Scenario i.d.R. keine Rolle, weil die Haltungsbedingungen bis zum Abbau oft nicht passen.


    Hat man mehr Geduld, geht das meist auch mit viel weniger Dünger und CO2. Egal, ob man aggressiv oder geduldig startet: Möchte man sein Aquarium nach dem Erreichen des Ziels weiterlaufen lassen und versucht es so zu pflegen, dass es auch weiterhin so aussieht wie man sich das vorgestellt hat, kann man nicht nur Düngung und CO2 zurückfahren, es macht sogar sehr viel Sinn um die Pflegemaßnahmen nicht allzu oft ausführen zu müssen. Ebenso senkt man so die laufenden Kosten erheblich, gerade Dünger ist nicht ganz billig. Und so wird das Becken spätestens dann garnelentauglich.


    Alle Pflanzen, dich ich bisher gepflegt habe, kamen mit CO2 um die 15 - 20 mg/l und einer moderaten Düngung prima klar und wachsen meist trotzdem noch schneller, als mir lieb ist. Zuviel Licht spielt laut meiner Erfahrung keine Rolle. Ich habe derzeit die stärkste Beleuchtung mit rund 85 Lumen pro Liter über einem stark bepflanzten Becken, das keine CO2 Versorgung hat und nur ganz wenig gedüngt wird. Algen habe ich dort trotzdem so gut wie gar nicht und wenn, dann eher Rotalgen. Zuvor lief dieses Becken sogar mit 125 Lumen / Liter, ebenfalls ohne Probleme. Als Besatz leben darin Neocaridina Blue Perl und Posthornschnecken.

  • Hi,


    ganz meine Meinung! Guter Beitrag!


    Die meisten Scapes werden nur auf den Final Shot hin getrimmt und das wars... Tiere sind da eher hinderlich oder bestenfalls nebensächlich.. Absolut nicht meins..


    Habe mich davon auch verführen lassen und mein "scape" Becken so ausgerichtet... das Ende vom Lied ist /war eine dauernde Algenplage.. erst wo ich wieder dahingehe wo ich 20 jahre lang war und nicht alles über Bord geschmissen habe was ich gelernt hatte... klappt auch wieder.. mäßige Co2 Düngung, wenig Volldünger, voila, das becken sieht eher wieder so aus wie ich das möchte! Und keine dauernde Meßorgie, Dünger im überfluss etc... und vor allem nicht der Zwang ständig Pflegen zu müssen!

  • Im Grunde sehe ich das genauso. Die Hard-Core Scapes sind nicht wirklich Garnelentauglich.


    Allerdings spricht aus meiner Sicht nichts dagegen, das Layout an das Scaping anzulehnen und das, was problematisch ist oder werden könnte, vielleicht anders zu lösen.


    In meinem 60er habe ich versucht, meinen bisherigen Erfahrungen Rechnung zu tragen:


    • keine aufhärtenden Steine (ist eigentlich eh klar)
    • Überall dort, wo hoher Bodenaufbau ist, gut wurzelnde Pflanzen eingesetzt. Die Pflanzen sollen Sauerstoff in den Boden eintragen und Schadstoffe abbauen. So hoffe ich, dass ich trotz hohen Bodenaufbaus und Staubfutter keine Gammelstellen bekomme. Ferner habe ich versucht, Ecken zu vermeiden in denen sich strömungsbedingt Mulm ansammeln kann.
    • Mit dem Starklicht müssen die Garnelen leben, ob sie es lieber dämmriger hätten, weiß ich nicht.
    • gedüngt wird so viel wie nötig und so wenig wie möglich. CO2 liegt bei max. 20 mg/l. Dadurch sollten auch die Pflanzen nicht so stark wachsen. Bevor ich dünge messe ich lieber nochmal nach, wie viel wirklich nötig ist.
    • Beim Füttern bin ich tendenziell lieber etwas vorsichtig. Die massive Fütterung die manche Züchter praktizieren, mache ich lieber nicht. Ich setze eher auf Blätter und Mikrofauna. Möglicherweise kommt da nicht so viel Nachwuchs hoch. Aber lieber so, als Gammel im Boden.
    • Zur (Stängel-)Pflanzenpflege haben pk-aquaristik (Patrick) und Buddy-P die zwei sinnvollen Möglichkeiten geschrieben: Die Stengel kappen, den unteren Teil entfernen und den Kopfsteckling wieder einsetzen (Patrick), oder die Stengel direkt über dem Boden kappen (Buddy-P).

    Buddy-P setzt du dann Kopfstecklinge in das verbliebene Wurzelwerk? Oder machst du das nur bei Pflanzen, die du komplett weghaben möchtest?

  • Buddy-P setzt du dann Kopfstecklinge in das verbliebene Wurzelwerk? Oder machst du das nur bei Pflanzen, die du komplett weghaben möchtest?

    Meist mache ich das nur, wenn ich ganze Pflanzen entferne weil die sich z.B. durch Ableger zu stark vermehrt haben oder mir eine Pflanze nicht gefällt. Kopfstecklinge setze ich super selten zurück. Ich mache das nur dann, wenn eine Pflanze stark geschädigt war, z.B. durch Lichtmangel, und unten komplett kahl ist. Dann aber wirklich einfach ins verbliebene Wurzelwerk. Ich nutze dazu eine sehr spitze Pinzette, so wühle ich den Bodengrund so gut wie gar nicht auf. Unschöne Pflanzen, die neu austreiben sollen, schneide ich normalerweise so ab, dass wenigstens das unterste Blattpaar erhalten bleibt. So treiben zwei neue, schöne Triebe aus ohne dass die Pflanze erst neu anwachsen muss. Und im Boden muss ich so auch nicht wühlen.


    Beim Futter halte ich es auch wie Birgit und füttere lieber vorsichtig, um Gammelstellen zu vermeiden. In einem Scape kann man ohnehin schlecht züchten, weil das Fangen der Garnelen im Dschungel schon eine arge Geduldsprobe sein kann und eine Selektion praktisch unmöglich ist.